Wechselausstellungen

Fotoausstellung „Vergangenheit bewältigen – ehemalige Heimkinder der DDR und das gemeinsame Hobby Fotografie zur Aufarbeitung“

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Zeit:    16. August bis 28. September 2018

Ausstellungseröffnung am 16. August 2018, Beginn 18 Uhr

 

Die Ausstellung informiert über Heimkinder aus der DDR und den Versuch, ihre Vergangenheit durch das Medium der Fotografie zu bewältigen. Die Heimerziehung von Kindern und Jugendlichen in der DDR wurde zum überwiegenden Teil in unterschiedlichen Institutionen amtlich verordnet. Sie war Teil repressiver Mechanismen, die sich in der realsozialistischen Erziehungspolitik bereits in den frühen Jahren der DDR herausgebildet hatten.

 

Dazu zählten die von der Jugendhilfe betreuten so genannten Durchgangs- und Beobachtungs- oder Aufnahmeheime, Spezialkinderheime und auch (z.T. geschlossene) Jugendwerkhöfe. Natürlich erfolgten Einweisungen dorthin auch aus Gründen der familiären Vernachlässigung. Die staatlich verordnete Fürsorge galt jedoch auch jenen Kindern und Jugendlichen mit abweichenden Verhalten von dem, was als soziale Norm sozialistischer Persönlichkeits-entfaltung festgeschrieben wurde. Das konnten schon die bloße Kleidung oder ein seltener Musikgeschmack sein. War es der Geschmack des Klassenfeindes, machten sich die Betreffenden erst recht verdächtig.

 

Oft wurden die Gründe für Heimeinweisungen in einem solchen Verhalten gesehen, was als Störung der sozialistischen Lebensweise tagtäglich in offiziellen Verlautbarungen der DDR-Propaganda verkündet wurde, darunter fassten die zuständigen Fürsorger auch negatives Verhalten schwer erziehbarer Kinder und Jugendlicher. Unterm Strich stand letztlich ein großes Ziel: Umerziehung, also die Erziehung zur sozialistischen Lebensweise. Es wurde in den Heimen nicht nur in Kauf genommen, sondern systematisch darauf abgezielt, junge und jüngere Menschen zu zerbrechen, in deren Folge die Betroffenen physischen, psychischen und sozialen Torturen ausgesetzt waren. Am Ende stand das harmonisch Ganze, dem sich der Einzelne, das Individuum, unterzuordnen hatte – auch eben durch Brechung des eigenen Willens.

 

Die Folgen der Heimerziehung wirken bis heute traumatisch und zum Teil tiefgreifend nach, wenn etwa Betroffene soziale Bindungen kaum mehr eingehen können (Bindungs- und Vertrauensverlust).

 

In einem moderierten Gespräch berichten die Zeitzeugen Nicole und Torsten Ehms, Brigitte Matthias und Thomas Senft über ihre Lebenswege und ihr sehr ambitioniertes Ausstellungsprojekt.

 

Die Ausstellung wird in Kooperation mit dem Bundesbeauftragten für die Unterlagen der Staatssicherheit der ehemaligen DDR, Außenstelle Halle , der  Landesbeauftragten Sachsen-Anhalt zur Aufarbeitung der SED-Diktatur und dem Zeitgeschichte(n) e.V. Halle gezeigt und ist bis zum 28. September 2018 in der Gedenkstätte ROTER OCHSE Halle (Saale) zu sehen.

 

Es handelt sich um eine öffentliche Veranstaltung bei der Foto- und Filmaufnahmen erfolgen können.

 

Der Eintritt ist frei.

 

"All you need is beat“ – Jugend, Musik & Politik in der DDR 1955 - 1975

Ausstellungszeitraum: 7. Juni bis 5. August 2018

Eröffnung am 7. Juni 2018, 18:00 Uhr

 

In Erinnerung an die Leipziger Beatdemonstration von 1965 hat das Archiv Bürgerbewegung Leipzig e.V. eine Wanderausstellung erarbeitet, die das wechselvolle und zumeist spannungsgeladene Verhältnis von Jugend, Musik und Politik in der DDR darstellt. Unter dem Titel »All you need is beat« wird gezeigt, wie sich Jugendkultur um Rock’n’Roll und Beat unter den Bedingungen des real existierenden Sozialismus der Ulbricht-Ära zwischen partieller Förderung, Zensur und Repression entwickelte.

 

Am Beispiel der Leipziger Beatband »The Butlers« werden die frühen sechziger Jahre zwischen Mauerbau, kulturpolitischen Aufbruch und wieder einsetzenden »Kahlschlag« nach dem 11. Plenum der SED dargestellt. Im Mittelpunkt steht die Leipziger Beatdemonstration, an welcher 500–800 »Beatniks« teilnahmen Ihnen stellte die Staatsmacht fast das Doppelte an Polizei und zivilen Sicherheitskräften gegenüber, die mit unangemessener Härte gegen die Jugendlichen vorgingen. Dazu zählen zahlreiche Verhaftungen und Verbringung in Zwangsarbeitslager, ohne dass gerichtliche Anhörungen stattgefunden hätten oder die Angehörigen informiert worden wären.

 

Den Abschluss der Ausstellung bilden die weitere Entwicklung populärer Musik Ende der sechziger Jahre und die X. Weltfestspiele von 1973, welche die »Weltoffenheit« des SED-Regimes nach dem Machtwechsel von Walter Ulbricht zu Erich Honecker suggerieren sollte. Obgleich öffentliches Zwangshaareschneiden und Jeansverbot der Vergangenheit angehörten, bediente man sich auch weiterhin einer Vielzahl repressiver Mittel, um nicht angepassten Jugendliche in die engen Schranken sozialistischer Freizeitkultur zu weisen. Dabei spielte die in der DDR-Öffentlichkeit wenig bekannte Praxis der Arbeitserziehung als Disziplinierungsmethode eine große Rolle.

 

Frau Dr. Wiebke Janssen, Leiterin des Dokumentationszentrums des Bürgerkomitees Magdeburg, wird die Veranstaltung mit einem Vortrag zum Thema „Es darf sich niemand einbilden, dass er uns einschüchtern kann!“ – SED und Beatmusik im Bezirk Halle 1965 eröffnen.

 

Die Ausstellung wird in Kooperation mit dem Bundesbeauftragten für die Unterlagen der Staatssicherheit der ehemaligen DDR (Außenstelle Halle), der Landesbeauftragten zur Aufarbeitung der SED-Diktatur Sachsen-Anhalt, dem Verein Zeitgeschichte(n) e. V. Halle , dem Bürger-komitee Magdeburg und dem Archiv Bürgerbewegung Leipzig e.V. gezeigt und ist bis zum 5. August 2018 in der Gedenkstätte ROTER OCHSE Halle (Saale) zu sehen.

 

Der Eintritt ist frei.