Zur Geschichte des historischen Ortes

Die Abbildung zeigt einem im Jahr 1845 hergestellten Kupferstich der Preußischen Straf-, Lern- und Besserungsanstalt zu Halle.

1842 bis 1933

Infolge der Revolution von 1848/49 gelangten zum ersten Mal aus politischen Gründen Inhaftierte in die sieben Jahre zuvor eröffnete Strafanstalt.  Die Bezeichnung „Roter Ochse“ geht vermutlich auf das Baumaterial – rote, gebrannte Ziegel und Porphyr, ein rötlicher Feldstein  - und die Verwendung von Ochsenfuhrwerken beim Transport des Baumaterials sowie der Gefangenen auf ihrem Weg vom Bahnhof zur Haftanstalt zurück. Nach Gründung des Kaiserreichs im Jahr 1871 gelangten zunehmend vom Reichsgericht in Leipzig verurteilte Gefangene in den „Roten Ochsen“. Im Februar 1885 wurden hier die „Kaiserattentäter“ August Reinsdorf und Emil Küchler hingerichtet.

Unter den in der Weimarer Republik vorhandenen Insassen befand sich neben zahlreichen Beteiligten mitteldeutscher Aufstände nach dem Ersten Weltkrieg, die dem  linken politischen Spektrum zuzurechnen sind, auch der wegen Beihilfe zum Mord an Reichsaußenminister Walther Rathenau 1922 verurteilte und rechtsextrem orientierte Ernst Werner Techow.

1933 bis 1945

Während der NS-Diktatur fungierte der „Rote Ochse“ zunächst weiter als Gefängnis, diente jedoch auch als provisorisches Schutzhaftlager. Nach Umwandlung in ein Zuchthaus und Erhöhung der Aufnahmekapazität auf 790 Insassen Mitte der 1930er Jahre bildeten vom Kammergericht Berlin verurteilte Kommunisten und einige Sozialdemokraten die bedeutendste Gruppe der Inhaftierten. Mit Kriegsbeginn gelangten zunehmend ausländische Insassen in die Haftanstalt, Kriegsgefangene und Zwangsarbeiter, die zumeist wegen Lebensmitteldiebstählen und verbotenen Kontakten zu deutschen Arbeitskräften verurteilt waren.

Nach dem Bau einer Richtstätte im ehemaligen Lazarettgebäude des Zuchthauses ließen verschiedene zivile und Wehrmachtgerichte hier von Herbst 1942 bis Kriegsende insgesamt 549 Männer, Frauen und Jugendliche aus 15 Ländern Europas und aus Tunesien durch die Guillotine oder den Strang exekutieren.

1945 bis 1989

Der Befreiung der Insassen durch amerikanische Truppen der 104. U.S.-Infantry Division „Timberwolf“  im April 1945 folgte ab Sommer desselben Jahres eine siebenjährige Nutzung der Anstalt durch die sowjetische Besatzungsmacht. Sie setzte ihre Rechtsauffassung mit Hilfe von Militärtribunalen (SMT) durch und deportierte die Mehrzahl der Gefangenen weiter in die Speziallager Mühlberg, Buchenwald und Sachsenhausen sowie in den GuLag. Unbekannt geblieben sind in Halle bis heute der Ort der Vollstreckung von Todesstrafen der SMT sowie der Verbleib der Opfer.

Von 1950 bis 1989 nutzte das Ministerium für Staatssicherheit der DDR (MfS)  einen Teil der Gebäude als Untersuchungshaftanstalt (UHA), andere Haftbereiche dienten dem Strafvollzug, seit 1954 insbesondere als Einrichtung für Frauen. 

Das MfS nahm das Hafthaus A als Abteilung XIV – Untersuchungshaftvollzug – in seine Verfügungsgewalt. Darüber hinaus bestanden im „Roten Ochsen“ bis Herbst 1989 die Abteilungen IX (Untersuchungen, Ermittlungsverfahren) und VIII (Beobachtung, Ermittlung) sowie seit den 1980er Jahren die Arbeitsgruppe XXII (Terrorabwehr).

Die politischen Repressionen des MfS richteten sich anfangs gegen die Zeugen Jehovas, die in Schauprozessen nach sowjetischem Vorbild abgeurteilt wurden. Weiterhin gelangten vermeintliche und tatsächliche Regimegegner und Spione in das „MfS-Objekt Am Kirchtor“. Zahlreiche weitere Zuführungen erfolgten nach dem Volksaufstand vom 17. Juni 1953. Der "Rote Ochse" war erneut überbelegt und die Inhaftierten nicht zuletzt dadurch unmenschlichen Haftbedingungen und Willkür ausgesetzt.

Insbesondere nach der Konferenz über Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (KSZE) in Helsinki (1975) versuchten immer mehr Menschen, auf legalem Wege ("Übersiedlungsersuchende") oder auf illegalem Wege ("Republikflüchtige") die DDR zu verlassen. Die Sozialistische Einheitspartei Deutschlands (SED) reagierte hierauf mit einem Arsenal neuer Gesetzesvorlagen, um die Ausreisewilligen zu kriminalisieren.

Verhöre fanden in der MfS-UHA anfangs fast ausnahmslos nachts statt. Am Tage wurden die Gefangenen zunächst in Einzelhaft verwahrt. Wasser-Karzer, Dunkel- oder Isolationszellen sollten jeglichen Widerstand brechen. Die Unterbringung in einer 2- oder 3-Mann-Zelle diente dem Zweck, Gesprächsinhalte dem MfS durch einen als Spitzel („Zellinformator“) fungierenden Mitgefangenen zugänglich zu machen.

Zwischen 1950 und 1989 gelangten fast 10.000 Menschen in die MfS-UHA in Halle. Die Zahl der politischen Häftlinge, die in diesem Zeitraum in beiden Teilen der  Haftanstalt insgesamt befanden, ist bislang nicht bekannt.